Logarithmen · Klasse 10
Logarithmen – die Umkehrung der Exponentialfunktion
Für die Lehrkraft · in dreißig Sekunden
Die Schüler lesen den Logarithmus als Antwort auf die Frage „mit welchem Exponenten?“ – nicht als neue Rechenart.
Was variiert: Folge A liest direkt ab, Folge B rechnet ohne Taschenrechner, Folge C wendet die Gesetze an, Folge D löst Gleichungen.
Stolperstelle: wird wie behandelt.
Ablauf
- 1. Vorbemerkung austeilen oder projizieren – zwei Minuten lesen lassen.
- 2. Die Folgen der Reihe nach.
Bei jeder einzelnen Aufgabe derselbe Takt: erst allein Reflect – Expect – Check – Explain,
dann eine Frage zu zweit, dann der Zusammenhang im Plenum. Drei bis fünf Minuten pro Aufgabe.
- · Folge A: Direkt ablesen – 9 Aufgaben
- · Folge B: Logarithmen ohne Taschenrechner – 9 Aufgaben
- · Folge C: Anwendung der Logarithmusgesetze – 7 Aufgaben
- · Folge D: Exponentielle Gleichungen lösen – 7 Aufgaben
- · Folge E: Basiswechsel und Plausibilität – 6 Aufgaben
- 3. Reflexionsfragen – schriftlich oder im Gespräch.
Was Sie sagen können
- „Mit welchem Exponenten kommst du von der Basis zur Zahl?“
- „Bevor du rechnest: Liegt das Ergebnis zwischen welchen beiden ganzen Zahlen?“
- „Wer zeigt an Zahlen, warum die Summenregel nicht gilt?“
Kommentar und Lösungen stehen mit auf dieser Seite – der Teil für die Klasse ist unten eigens markiert. Beim Drucken bleibt der Lehrerteil weg.
Vorbemerkung für die Schüler
Der Logarithmus ist die Umkehrung der Exponentialfunktion. Anders gesagt: Er beantwortet die Frage „Mit welcher Hochzahl muss ich potenzieren, damit ich bekomme?“
Formal: ⟺ .
Wenn (Zehner-Logarithmus), schreibt man oft einfach . Wenn (natürlicher Logarithmus), schreibt man .
Die Logarithmusgesetze spiegeln die Potenzgesetze in der Umkehrung:
- (Produkt → Summe)
- (Quotient → Differenz)
- (Potenz → Faktor)
Damit kann man exponentielle Gleichungen wie lösen: oder .
Folge A: Direkt ablesen
Schreib für jede Gleichung die zugehörige Logarithmus-Form auf.
| Nr. | Potenzform | Logarithmus-Form |
|---|---|---|
| 1 | ||
| 2 | ||
| 3 | ||
| 4 | ||
| 5 | ||
| 6 | ||
| 7 | ||
| 8 | ||
| 9 |
Folge B: Logarithmen ohne Taschenrechner
Berechne den Wert direkt im Kopf. (Frage: „mit welcher Hochzahl?“)
| Nr. | Aufgabe | Antwort |
|---|---|---|
| 10 | 5 (denn 2⁵ = 32) | |
| 11 | ||
| 12 | ||
| 13 | ||
| 14 | ||
| 15 | ||
| 16 | ||
| 17 | 1/2 (denn 4^(1/2) = √4 = 2) | |
| 18 |
Folge C: Anwendung der Logarithmusgesetze
Vereinfache mit den Gesetzen.
| Nr. | Aufgabe | Vereinfachung |
|---|---|---|
| 19 | ||
| 20 | ||
| 21 | ||
| 22 | ||
| 23 | ||
| 24 | (x > 0) | |
| 25 | (x, y > 0) |
Folge D: Exponentielle Gleichungen lösen
Hier braucht man den Logarithmus als Werkzeug, um die Variable t zu isolieren.
| Nr. | Gleichung | Lösungsweg | Lösung |
|---|---|---|---|
| 26 | direkt: | ||
| 27 | |||
| 28 | |||
| 29 | (Verdopplung bei 5 % p.a.) | ||
| 30 | (Halbwertszeit bei 10 % Abnahme) | ||
| 31 | |||
| 32 | erst durch 5: , dann |
Folge E: Basiswechsel und Plausibilität
In dieser Folge wird klar, dass die Basis nur bequemes Mittel ist – die Antwort ist immer dieselbe.
| Nr. | Aufgabe | Antwort |
|---|---|---|
| 33 | Berechne und . Was fällt auf? | beide 3 |
| 34 | Berechne über . | |
| 35 | Berechne über . | |
| 36 | Berechne über . | ≈ 2,807 (identisch zu 35) |
| 37 | Wie groß ist ? | nicht definiert (es gibt kein x mit 10^x = 0). |
| 38 | Wie groß ist ? | nicht definiert in den reellen Zahlen (10^x ist immer positiv). |
Reflexionsfragen
- Aufgabe 3 zeigt: . Warum gilt das für jede Basis (also auch , , …)?
- Vergleiche Aufgabe 26 ( exakt) und Aufgabe 27 (). Warum ist die eine exakt und die andere nur näherungsweise?
- In Folge D, Aufgabe 29, geht es um die Verdopplungszeit bei 5 % Wachstum. Die Antwort ist ≈ 14,21 Jahre. Wie nahe ist das an der Faustregel „72/p“?
- Aufgabe 37 und 38: Warum ist der Logarithmus für und negative Werte nicht definiert? Wie hängt das mit der Exponentialfunktion zusammen?
- Aufgaben 33–36 zeigen: Der Wert von ist unabhängig davon, welche Basis man bei der Umrechnung verwendet. Warum?
Didaktischer Kommentar
Der Kern. Der Logarithmus ist im deutschen Schulunterricht oft die Stelle, an der die meisten Schüler aussteigen – nicht wegen der Mathematik, sondern wegen der ungewohnten Schreibweise und der zugleich abstrakten Definition. Diese Folge geht den Weg, der erfahrungsgemäß funktioniert: Erst den Logarithmus als Hochzahl erleben, dann den Bezug zur Exponentialfunktion herstellen, dann die Gesetze als Spiegelbild der Potenzgesetze entdecken.
Was variiert in Folge A? Die Variation Theory-Standardform: Eine Form wechselt zur anderen. Schüler erkennen, dass und dieselbe Aussage in zwei Sprachen sind. Das ist die zentrale Grundvorstellung.
Was variiert in Folge B? Hier wird ohne Taschenrechner gerechnet. Schüler erleben den Logarithmus als Hochzahl – als Antwort auf eine Frage, nicht als kryptischen Knopfdruck. Aufgaben 15 (negativer Logarithmus) und 17 (Bruchexponent) sind diagnostisch wichtig: Sie testen, ob die Hochzahl-Vorstellung wirklich verankert ist.
Was variiert in Folge C? Die Logarithmusgesetze in Anwendung. Schüler erleben, dass – Addition wird zu Multiplikation. Das ist der zentrale historische Punkt, der den Logarithmus überhaupt nützlich macht: Rechenwege werden vereinfacht.
Was variiert in Folge D? Hier wird der Logarithmus zum Werkzeug. Schüler sehen, warum sie ihn überhaupt brauchen: zur Auflösung exponentieller Gleichungen. Aufgaben 29 und 30 verbinden direkt mit der Aufgabenfolge zu exponentiellem Wachstum und Zerfall.
Was variiert in Folge E? Tiefere Reflexion: Basiswechsel und Grenzen des Logarithmus. Schüler erleben, dass eine Universalformel ist und dass der Logarithmus nicht für alle Zahlen definiert ist (Definitionsbereich!). Aufgaben 37 und 38 sind essentielle Diagnose für später kommende Themen (Logarithmusgleichungen, Logarithmusfunktion).
Häufige Fehlvorstellungen
- „.“ Falsch. Die Gesetze gelten für Multiplikation, nicht für Addition. Probe mit Zahlen: .
- „.“ Falsch. Richtig ist . Wer hier multipliziert, kombiniert die Operationen falsch.
- „ für negative x ist eine negative Zahl.“ Falsch. für ist nicht definiert. ( würde bedeuten, aber ist immer positiv.)
- „Der Logarithmus ist nur eine seltsame Tasten-Funktion am Taschenrechner.“ Diese funktionale Sicht verfehlt den Kern. Der Logarithmus ist eine Frage: „Welche Hochzahl?“ Wer das einmal verstanden hat, braucht den Knopf nur noch für die numerische Antwort.
Möglicher Anschluss
- Anwendungsaufgaben: pH-Wert, Schalldruckpegel (Dezibel), Erdbeben (Richterskala) – alles logarithmische Skalen.
- Diagnostische Fragen zu typischen Fehlern bei Logarithmen.
- Aufgabenfolge zu Logarithmusgleichungen (, ).
- Erweiterung in der Oberstufe: Ableitung und Integral des Logarithmus.