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Logarithmen · Klasse 10

Logarithmen – die Umkehrung der Exponentialfunktion

mittel #logarithmus#exponentialfunktionen#umkehrung#variation-theory

Vorbemerkung für die Schüler

Der Logarithmus ist die Umkehrung der Exponentialfunktion. Anders gesagt: Er beantwortet die Frage „Mit welcher Hochzahl muss ich a potenzieren, damit ich b bekomme?”

Formal: log_a(b) = ca^c = b.

Wenn a = 10 (Zehner-Logarithmus), schreibt man oft einfach log. Wenn a = e ≈ 2,718 (natürlicher Logarithmus), schreibt man ln.

Die Logarithmusgesetze spiegeln die Potenzgesetze in der Umkehrung:

  • log_a(x · y) = log_a(x) + log_a(y) (Produkt → Summe)
  • log_a(x / y) = log_a(x) − log_a(y) (Quotient → Differenz)
  • log_a(x^n) = n · log_a(x) (Potenz → Faktor)

Damit kann man exponentielle Gleichungen wie a^t = b lösen: t = log_a(b) oder t = log(b) / log(a).

Folge A: Direkt ablesen

Schreib für jede Gleichung die zugehörige Logarithmus-Form auf.

Nr.PotenzformLogarithmus-Form
110² = 100log(100) = 2
210³ = 1000log(1000) = 3
310⁰ = 1log(1) = 0
410⁻¹ = 0,1log(0,1) = −1
52³ = 8log_2(8) = 3
62⁴ = 16log_2(16) = 4
75² = 25log_5(25) = 2
87⁰ = 1log_7(1) = 0
9(½)² = ¼log_(1/2)(1/4) = 2

Folge B: Logarithmen ohne Taschenrechner

Berechne den Wert direkt im Kopf. (Frage: „mit welcher Hochzahl?”)

Nr.AufgabeAntwort
10log_2(32)5 (denn 2⁵ = 32)
11log_3(81)4
12log_5(125)3
13log_10(10000)4
14log_2(1)0
15log_2(1/4)−2
16log_2(2)1
17log_4(2)1/2 (denn 4^(1/2) = √4 = 2)
18log_3(√3)1/2

Folge C: Anwendung der Logarithmusgesetze

Vereinfache mit den Gesetzen.

Nr.AufgabeVereinfachung
19log(20) + log(5)log(100) = 2
20log(30) − log(3)log(10) = 1
21log(8) − log(4)log(2)
222 · log(5) + log(4)log(25) + log(4) = log(100) = 2
23log(125) − 2 · log(5)log(125) − log(25) = log(5)
24log(x²) − log(x) (x > 0)log(x²/x) = log(x)
25log(x³ · y²) − log(x · y) (x, y > 0)log(x²y)

Folge D: Exponentielle Gleichungen lösen

Hier braucht man den Logarithmus als Werkzeug, um die Variable t zu isolieren.

Nr.GleichungLösungswegLösung
262^t = 64direkt: t = log_2(64)t = 6
272^t = 1000t = log_2(1000) = log(1000)/log(2)t ≈ 9,966
2810^t = 50t = log(50)t ≈ 1,699
291,05^t = 2 (Verdopplung bei 5 % p.a.)t = log(2)/log(1,05)t ≈ 14,21
300,9^t = 0,5 (Halbwertszeit bei 10 % Abnahme)t = log(0,5)/log(0,9)t ≈ 6,58
31e^t = 10t = ln(10)t ≈ 2,303
325 · 2^t = 80erst durch 5: 2^t = 16, dann t = log_2(16)t = 4

Folge E: Basiswechsel und Plausibilität

In dieser Folge wird klar, dass die Basis nur bequemes Mittel ist – die Antwort ist immer dieselbe.

Nr.AufgabeAntwort
33Berechne log_2(8) und log(8) / log(2). Was fällt auf?beide 3
34Berechne log_5(125) über log(125) / log(5).3
35Berechne log_2(7) über log(7) / log(2).≈ 2,807
36Berechne log_2(7) über ln(7) / ln(2).≈ 2,807 (identisch zu 35)
37Wie groß ist log(0)?nicht definiert (es gibt kein x mit 10^x = 0).
38Wie groß ist log(−1)?nicht definiert in den reellen Zahlen (10^x ist immer positiv).

Reflexionsfragen

  1. Aufgabe 3 zeigt: log(1) = 0. Warum gilt das für jede Basis (also auch log_2(1) = 0, log_5(1) = 0, …)?
  2. Vergleiche Aufgabe 26 (t = 6 exakt) und Aufgabe 27 (t ≈ 9,966). Warum ist die eine exakt und die andere nur näherungsweise?
  3. In Folge D, Aufgabe 29, geht es um die Verdopplungszeit bei 5 % Wachstum. Die Antwort ist ≈ 14,21 Jahre. Wie nahe ist das an der Faustregel „72/p”?
  4. Aufgabe 37 und 38: Warum ist der Logarithmus für 0 und negative Werte nicht definiert? Wie hängt das mit der Exponentialfunktion zusammen?
  5. Aufgaben 33–36 zeigen: Der Wert von log_a(b) ist unabhängig davon, welche Basis man bei der Umrechnung verwendet. Warum?

Didaktischer Kommentar

Der Kern. Der Logarithmus ist im deutschen Schulunterricht oft die Stelle, an der die meisten Schüler aussteigen – nicht wegen der Mathematik, sondern wegen der ungewohnten Schreibweise und der zugleich abstrakten Definition. Diese Folge geht den Weg, der erfahrungsgemäß funktioniert: Erst den Logarithmus als Hochzahl erleben, dann den Bezug zur Exponentialfunktion herstellen, dann die Gesetze als Spiegelbild der Potenzgesetze entdecken.

Was variiert in Folge A? Die Variation Theory-Standardform: Eine Form wechselt zur anderen. Schüler erkennen, dass 10² = 100 und log(100) = 2 dieselbe Aussage in zwei Sprachen sind. Das ist die zentrale Grundvorstellung.

Was variiert in Folge B? Hier wird ohne Taschenrechner gerechnet. Schüler erleben den Logarithmus als Hochzahl – als Antwort auf eine Frage, nicht als kryptischen Knopfdruck. Aufgaben 15 (negativer Logarithmus) und 17 (Bruchexponent) sind diagnostisch wichtig: Sie testen, ob die Hochzahl-Vorstellung wirklich verankert ist.

Was variiert in Folge C? Die Logarithmusgesetze in Anwendung. Schüler erleben, dass log(20) + log(5) = log(100) – Addition wird zu Multiplikation. Das ist der zentrale historische Punkt, der den Logarithmus überhaupt nützlich macht: Rechenwege werden vereinfacht.

Was variiert in Folge D? Hier wird der Logarithmus zum Werkzeug. Schüler sehen, warum sie ihn überhaupt brauchen: zur Auflösung exponentieller Gleichungen. Aufgaben 29 und 30 verbinden direkt mit der Aufgabenfolge zu exponentiellem Wachstum und Zerfall.

Was variiert in Folge E? Tiefere Reflexion: Basiswechsel und Grenzen des Logarithmus. Schüler erleben, dass log_a(b) = log(b)/log(a) eine Universalformel ist und dass der Logarithmus nicht für alle Zahlen definiert ist (Definitionsbereich!). Aufgaben 37 und 38 sind essentielle Diagnose für später kommende Themen (Logarithmusgleichungen, Logarithmusfunktion).

Häufige Fehlvorstellungen

  • log(x + y) = log(x) + log(y).” Falsch. Die Gesetze gelten für Multiplikation, nicht für Addition. Probe mit Zahlen: log(10 + 100) = log(110) ≠ log(10) + log(100) = 3.
  • log(x) · log(y) = log(xy).” Falsch. Richtig ist log(x) + log(y) = log(xy). Wer hier multipliziert, kombiniert die Operationen falsch.
  • log(x) für negative x ist eine negative Zahl.” Falsch. log(x) für x < 0 ist nicht definiert. (log(x) = c würde 10^c = x < 0 bedeuten, aber 10^c ist immer positiv.)
  • „Der Logarithmus ist nur eine seltsame Tasten-Funktion am Taschenrechner.” Diese funktionale Sicht verfehlt den Kern. Der Logarithmus ist eine Frage: „Welche Hochzahl?” Wer das einmal verstanden hat, braucht den Knopf nur noch für die numerische Antwort.

Möglicher Anschluss

  • Anwendungsaufgaben: pH-Wert, Schalldruckpegel (Dezibel), Erdbeben (Richterskala) – alles logarithmische Skalen.
  • Diagnose-Quiz zu typischen Fehlern bei Logarithmen.
  • Aufgabenfolge zu Logarithmusgleichungen (log(x) = 2, log(x+1) = log(2x−5)).
  • Erweiterung in der Oberstufe: Ableitung und Integral des Logarithmus.