Blog
Didaktische Reflexionen, Praxisberichte und Fundstücke aus der Mathematik-Forschung.
Konkret – bildlich – abstrakt
Jerome Bruner hat in den 1960er Jahren beschrieben, wie Lernende Wissen in drei aufeinanderfolgenden Repräsentationsformen aufbauen: handelnd, bildlich, symbolisch. Im asiatischen Mathematikunterricht ist daraus eine systematische Methode geworden – im deutschen ist Bruner ein bekannter Name, dessen Konsequenzen aber selten gezogen werden.
Dr. Michael Glaubitz
Verstehen ist nicht Verstehen
Wenn ein Schüler eine Aufgabe richtig löst, hat er sie verstanden. Glauben wir. Richard Skemp hat 1976 in einem berühmten Aufsatz gezeigt: Es gibt zwei völlig verschiedene Formen zu 'verstehen' – und sie führen zu sehr unterschiedlichen Mathekompetenzen.
Dr. Michael Glaubitz
Mathematische Sprache ist nicht Alltagssprache
Mathematik benutzt Wörter aus der Alltagssprache: 'oder', 'mindestens', 'ähnlich', 'gleich'. Schüler hören das, was sie aus dem Alltag kennen – und verstehen damit oft das Gegenteil. Wer das übersieht, unterrichtet eine Sprache, die seine Klasse nicht spricht.
Dr. Michael Glaubitz
Abrufen statt Wieder-Anschauen
Schüler glauben, dass sie etwas gelernt haben, wenn sie es noch einmal lesen können, ohne stocken zu müssen. Die Lernpsychologie zeigt: Diese Form der Wiederholung ist eine der ineffektivsten überhaupt. Was wirkt: das Abrufen aus dem Gedächtnis, ohne hinzuschauen.
Dr. Michael Glaubitz
Hinge Questions
Die meisten Lehrkräfte erfahren erst in der Korrekturphase, dass die halbe Klasse das Konzept nicht verstanden hat. Hinge Questions sind die Methode, das *in der Stunde* herauszufinden – mit einer einzigen Frage, die zwei Minuten dauert und entscheidet, wie es weitergeht.
Dr. Michael Glaubitz
Wenn Scheitern produktiv ist
Im letzten Artikel habe ich für Worked Examples und direkte Instruktion plädiert. Jetzt kommt die Gegenstimme: Manu Kapur zeigt seit Jahren, dass es Konstellationen gibt, in denen Schüler *mehr* lernen, wenn sie zuerst scheitern. Das ist kein Widerspruch zu Sweller – es ist eine Verfeinerung.
Dr. Michael Glaubitz
Zwischen Datenlabor und Kreidezeit
Wer steuert eigentlich die großen Reformen unseres Mathematikunterrichts? Ein Kommentar zu den Biografien der führenden Köpfe der deutschen Mathe-Didaktik und der alarmierenden Kluft zwischen universitärem Elfenbeinturm und der harten Realität im Klassenzimmer.
Redaktion
Verteilen statt Blockbüffeln
Wir glauben intuitiv, dass massiertes Üben am besten wirkt: ein Thema, eine Stunde, durchpauken. Die Lernpsychologie zeigt seit Jahrzehnten das Gegenteil. Das hat Konsequenzen, die im deutschen Klassenzimmer noch wenig angekommen sind.
Dr. Michael Glaubitz
Vorrechnen, aber richtig
Selbstständiges Entdecken klingt nach Fortschritt – aber für Anfänger ist es oft das Schlechteste, was man ihnen anbieten kann. Worked Examples sind keine altmodische Vorturnerei, sondern empirisch eines der robustesten Werkzeuge der Mathe-Didaktik.
Dr. Michael Glaubitz
Atomisierung – warum kleine Schritte tragen
Die meisten meiner schlechten Stunden hatten dieselbe Ursache: Ich habe zu viel auf einmal verlangt. Atomisierung – das systematische Zerlegen eines Inhalts in seine kleinsten lernbaren Einheiten – ist die Gegenmedizin. Sie klingt banal. Sie ist es nicht.
Dr. Michael Glaubitz
KI im Mathematikunterricht: Von der Spielerei zum didaktischen Präzisionswerkzeug
Warum ungesteuerte KI oft flache Mathe-Arbeitsblätter liefert – und wie strukturierte Prompts plus LaTeX aus Sprachmodellen präzise Werkzeuge für die Vorbereitung machen. Mit fünf PDF-Teilen zum direkten Einsatz.
Michael Glaubitz
Die Geometrie des Elfenbeinturms: Wenn QuaMath die Realität vermisst
Ein Kommentar zu hierarchischen Fortbildungsketten, zum 5x5-Rahmen und zur Kluft zwischen Konzeptpapieren und dem Puls des Klassenzimmers – inklusive einer pragmatischen 15-Stunden-Regel für den Kollegiumsalltag.
Michael Glaubitz
Was eine gute Aufgabe ausmacht
Erich Christian Wittmann hat in den 1990er Jahren beschrieben, was eine Aufgabe braucht, um produktiv zu sein. Seine Kriterien sind nicht alt geworden – sie sind die beste Schablone, die ich kenne, um eigene Aufgaben zu prüfen.
Dr. Michael Glaubitz
Fehlvorstellungen sind keine Defizite – sie sind Daten
Wenn ein Schüler zu 1/3 + 1/4 das Ergebnis 2/7 sagt, ist das kein Versehen. Es ist eine konsistent angewandte Theorie über Brüche – nur die falsche. Wer das versteht, unterrichtet anders.
Dr. Michael Glaubitz
Reflexion vor dem Erklären
Wer zuerst erklärt und dann üben lässt, raubt seinen Schülern den lehrreichsten Moment: das Ringen mit einem Problem, dessen Lösung noch offen ist. Plädoyer für eine umgekehrte Reihenfolge.
Dr. Michael Glaubitz
Variation Theory – kurz erklärt
Die Variation Theory von Marton und Pang erklärt, warum Schüler genau das lernen, was sich zwischen den Aufgaben ändert – und was nicht. Eine kurze Einführung mit Beispiel.
Michael Glaubitz
Willkommen auf mathematik-unterrichten.de
Eine kurze Einführung: Themen als Einstieg, dann Aufgaben, Diagnose und Blog – orientiert an einer didaktischen Tradition, die Praxis und Tiefe verbindet.
Michael Glaubitz